
Ein Vertrag sieht drei Prozent Skonto bei Zahlung innerhalb von zehn Tagen vor. Die Rechnung geht am Mittwoch ein, die sachliche Prüfung im Fachbereich dauert acht Tage, der Zahllauf läuft dienstags. Gezahlt wird am vierzehnten Tag, der Abzug entfällt.
Bei einem Jahresvolumen von vier Millionen Euro und einem Viertel der Rechnungen in diesem Muster sind das 30.000 Euro. Niemand hat einen Fehler gemacht.
Warum Skonto zwischen zwei Bereiche fällt
Skonto ist beides zugleich: eine Kondition, die verhandelt wird, und eine Zahlungsbedingung, die in der Kreditorenbuchhaltung rechnungsweise wirkt. Der Einkauf verhandelt einen Satz und betrachtet ihn danach als gegeben. Die Buchhaltung zieht ihn, wenn Freigabe und Frist es zulassen.
Was dabei fehlt, ist die Rückmeldung. Ob der verhandelte Satz in voller Höhe realisiert wurde, erfährt der Einkauf nicht, weil die Information in der Zahlungsabwicklung entsteht und dort bleibt.
Wirtschaftlich wäre der Abzug stark: Der Nachlass fällt für wenige Wochen früherer Zahlung an, und auf ein Jahr hochgerechnet entspricht das einem zweistelligen Zinssatz. Genau deshalb wiegt ein verpasster Abzug schwerer, als der Prozentsatz vermuten lässt.
Die drei Stellen, an denen Skonto verloren geht
Freigabe und Zahllauf. Prüfzeiten im Fachbereich und feste Zahlungstermine addieren sich. Der Zahllauf allein erklärt selten mehr als wenige Tage; die längere Strecke liegt meist in der Freigabe.
Der Fristbeginn. Rechnungsdatum, Eingangsdatum oder Leistungsdatum führen zu verschiedenen Stichtagen. Benennt der Vertrag den Fristbeginn nicht, rechnet der Lieferant mit dem Rechnungsdatum und die eigene Seite mit dem Eingang.
Die Bemessungsgrundlage. Gemeint ist hier nicht die Umsatzsteuer, die ohnehin eigenen Regeln folgt, sondern die Frage, ob Skonto vor oder nach Abzug weiterer Konditionen gerechnet wird. Das steht häufig nicht im Vertrag.
Was sich messen lässt
Die Kennzahl ist die Skonto-Realisierungsquote: der tatsächlich gezogene Betrag geteilt durch den Betrag, der bei fristgerechter Zahlung möglich gewesen wäre. Sie lässt sich aus den Kreditorendaten berechnen.
Liegt die Quote niedrig, zeigt die Verteilung, woran es liegt. Gleichmäßige Ausfälle deuten auf den Ablauf, gehäufte Ausfälle bei einzelnen Lieferanten auf Frist oder Fristbeginn.
Skonto gegen Bonus: die vollständige Rechnung
Der Satz, ein Prozentpunkt Skonto sei immer mehr wert als ein Prozentpunkt Bonus, hält nicht stand. Skonto verlangt, den gesamten Rechnungsbetrag früher zu zahlen, und diese frühere Zahlung ist ihrerseits zu finanzieren.
Ein Bonus verlangt das nicht. Er kommt später, dafür bleibt der volle Rechnungsbetrag bis zum regulären Zahlungsziel im Haus. Bei einem langen Nettozahlungsziel kann ein kleinerer, später fließender Bonus deshalb günstiger sein als ein größerer Skontoabzug, für den die Rechnung Wochen früher bezahlt werden muss.
Bei einem kurzen Abstand zwischen Skonto- und Nettozahlungsziel fällt dieser Finanzierungsnachteil kleiner aus. Entscheidend ist nicht die Art der Kondition, sondern der vollständige Zahlungsstrom: Nachlass, Bemessungsgrundlage, Zahlungstermin der Rechnung und Termin der Bonuszahlung, bewertet mit dem eigenen kurzfristigen Finanzierungssatz.
Diese Rechnung lässt sich einmal als Vorlage aufsetzen und dann je Angebot befüllen.
Was in den Vertrag gehört
Der Fristbeginn, benannt als Rechnungseingang beim Abnehmer. Die Bemessungsgrundlage, benannt als Rechnungsbetrag vor oder nach Abzug weiterer Konditionen. Und eine Regelung für spätere Gutschriften.
Beim dritten Punkt geht es um einen Abgleich und nicht um eine einseitige Forderung. Wird eine Position nachträglich gutgeschrieben, verändert sich der tatsächlich gezahlte Nettowert, und beide Seiten sollten auf denselben Betrag kommen.
Der zweite Hebel liegt im eigenen Ablauf. Eine kürzere Freigabestrecke wirkt meist stärker als ein zusätzlicher Zahllauf, weil sie die längere der beiden Wartezeiten trifft.
Ein Einstieg
Ziehen Sie aus der Kreditorenbuchhaltung alle Rechnungen einer abgeschlossenen Periode mit vereinbartem Skonto und vergleichen Sie den gezogenen Betrag mit dem möglichen. Messen Sie daneben die Zeit von Rechnungseingang bis Freigabe und von Freigabe bis Zahlung.
Die längere der beiden Strecken ist Ihr Ansatzpunkt. Liegt sie in der Freigabe, ist die Verbesserung ohne Verhandlung zu haben.


