Was Konditionen mit der Bestandsbewertung machen

Zum Stichtag liegen 2,4 Millionen Euro Bestand im Lager, bewertet zum Einstandspreis der jeweiligen Lieferung.

Auf einen Teil dieser Ware ist ein Umsatzbonus von 3 Prozent entstanden, abgerechnet wird er im März. Der Bestand ist damit zu einem Wert eingebucht, den die Ware wirtschaftlich nicht mehr hat.

Die Frage hinter der Frage

Nachträgliche Minderungen des Anschaffungspreises sind von den Anschaffungskosten abzusetzen. Für einen Kopfrabatt, der auf der Rechnung steht, geschieht das automatisch, weil der Rechnungsbetrag schon gemindert ist.

Für zeitversetzte Konditionen geschieht es nicht automatisch. Der Bonus entsteht über die Periode, die Ware ist längst eingebucht, und die Verbindung zwischen beidem stellt kein System von allein her.

Wie weit die Zuordnung im Einzelfall zu gehen hat, ist eine Frage für das Rechnungswesen und den Abschlussprüfer. Die Frage überhaupt zu stellen, ist Sache derjenigen, die die Konditionen kennen.

Warum es unterbleibt

Die Zuordnung eines Jahresbonus auf einzelne Lagerbestände ist rechnerisch aufwendig. Der Bonus entsteht auf das Gesamtvolumen, der Bestand ist ein Ausschnitt daraus, und welcher Teil des Bonus auf welchen Artikel entfällt, ist eine Verteilungsfrage.

Dazu kommt der Zeitpunkt. Zum Stichtag ist der Bonus noch nicht abgerechnet, der endgültige Satz steht nicht fest, und eine Bewertung müsste auf einer Schätzung aufsetzen.

Beides sind Gründe, es zu verschieben, und keine Gründe, es zu lassen.

Der Effekt auf das Ergebnis

Ein zu hoch bewerteter Bestand verschiebt Aufwand in die Folgeperiode. Die Ware geht mit einem Einstandswert in den Verkauf, der zu hoch ist, und die Marge des Folgejahres fällt entsprechend niedriger aus.

Über zwei Perioden gleicht sich das aus. Innerhalb einer Periode verzerrt es den Vergleich, und bei wachsenden oder schrumpfenden Beständen verzerrt es ihn dauerhaft in eine Richtung.

Bei einem Bestand von 2,4 Millionen und einem durchschnittlichen Konditionssatz von 3 Prozent geht es um rund 72.000 Euro. Das ist keine Randgröße.

Ein praktikabler Ansatz

Eine artikelgenaue Zuordnung ist selten nötig. Für die Bewertung reicht ein Satz je Lieferant, angewandt auf den Bestandswert der Artikel dieses Lieferanten.

Der Satz ergibt sich aus dem erwarteten Konditionsvolumen der Periode geteilt durch das Bezugsvolumen. Beide Zahlen liegen zum Stichtag näherungsweise vor, sofern die Konditionen strukturiert geführt werden.

Bei Lieferanten mit stabilen Vereinbarungen ist der Satz über Jahre ähnlich. Damit lässt sich die Bewertung ohne großen Aufwand wiederholen, und sie wird von Jahr zu Jahr belastbarer.

Die Abstimmung, die dazugehört

Die Bewertung berührt Einkauf und Rechnungswesen gleichzeitig. Der Einkauf kennt die Sätze, das Rechnungswesen kennt die Bewertungsregeln, und keiner von beiden kann die Frage allein beantworten.

Der richtige Zeitpunkt für die Abstimmung liegt im Quartal vor dem Stichtag. Danach ist der Abschluss in Arbeit, und was nicht vorbereitet ist, wird verschoben.

Es reicht ein Termin und eine Tabelle: Lieferant, erwarteter Konditionssatz, Bestandswert zum Stichtag. Der Rest ist eine Multiplikation.

Der Sonderfall der langsam drehenden Ware

Bei Artikeln mit hoher Umschlagsgeschwindigkeit fällt die Frage kaum ins Gewicht. Was innerhalb weniger Wochen wieder aus dem Lager geht, trägt seinen zu hohen Einstandswert nur kurz.

Anders bei Beständen, die über mehrere Perioden liegen. Dort summiert sich der Effekt, weil auf dieselbe Ware in aufeinanderfolgenden Jahren Konditionen entstehen, die alle nicht zugeordnet werden.

Diese Artikel sind zugleich diejenigen, bei denen ohnehin über Abwertung gesprochen wird. Eine zu hohe Bewertung verschärft die Frage, weil sie den Abstand zum realisierbaren Preis künstlich vergrößert.

Wer die Konditionswirkung bei diesen Artikeln berücksichtigt, kommt in der Abwertungsdiskussion regelmäßig zu einem anderen Ergebnis. Der Bestand ist dann nicht so problematisch, wie die Bücher ihn zeigen.

Das ist keine Schönrechnerei, sondern die Korrektur einer Verzerrung, die vorher unbemerkt drin war.

Ein Einstieg

Nehmen Sie die fünf Lieferanten mit dem höchsten Bestandswert zum letzten Stichtag und rechnen Sie für jeden den erwarteten Konditionssatz auf diesen Bestand.

Die Summe ist der Betrag, um den Ihr Bestand rechnerisch zu hoch bewertet war. Legen Sie diese Zahl dem Rechnungswesen vor, bevor der nächste Stichtag ansteht.

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January 1, 2026
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